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In einem Saal des mittelalterlichen Hospizes von Beaune gibt es ein großes Gemäldefries direkt unter der Zimmerdecke und dazu jeweils passende erbauliche Sprüche. Leider konnte ich bei meinem letzten Besuch nur einen der Sprüche abschreiben (fotografieren unmöglich). Hier ist er:
Inschrift
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Originaltext (in altem Französisch) |
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SI COMME CELLECY TU SCAIS TREVVER LA VIE |
Sprachlicher Kommentar zum Originaltext
Bei den Zusammenziehungen von que mit dem folgenden Wort steht über dem q ein Apostroph, das ich hier leider nicht ohne Klimmzüge wiedergeben könnte und daher weggelassen habe.
Die Sprache entspricht bereits weitgehend dem modernen Französisch (mit Ausnahme von treuver statt trouver), doch wirkt die Rechtschreibung viel älter. Sie enthält nicht nur eine Reihe schon damals nicht mehr ausgesprochener Konsonanten (resveil statt reveil), sondern geht unter dem Einfluss der französischen Grammatiker, die am Ausgang des Mittelalters dem Französischen ein neues Gewand gaben, sogar einen Schritt zurück zu angeblich authentischeren, weil dem lateinischen Ursprung näheren Formen. Das passt zwar bei dict statt dit (von lateinisch dicit). Aber bei sçais liegen die Grammatiker voll daneben: Sie konnten sich damals nichts anderes vorstellen, als dass das französische savoir vom gleichbedeutenden lateinischen scire stammt; also fügte sie den verlorenen Buchstaben c wieder ein, der wegen des folgenden a dann auch noch eine Cedille bekommen musste. In Wirklichkeit kommt savoir, wie man heute weiß, von lateinisch sàpere, vom Volk sapére ausgesprochen, hat also nie und nimmer ein c enthalten. So können Gelehrte irren...
Nebenbei gesagt soll auch die Wiedergabe von u durch v und die durchgängige Großschrift die Nähe zum Lateinischen unterstreichen.
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Konservative Umschrift zur besseren Lesbarkeit |
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si comme celle-cy tu sçais treuver la vie |
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Übersetzung |
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Wenn du wie diese das Leben zu finden weißt, |
Kommentar zur Übersetzung
Da im Französisch das Leben (la vie) und die als Vorbild gezeigte Märtyrerin beide weiblich sind, können sich die beiden letzten Verse sowohl auf das Leben (es, seine Wiedererweckung) als auch auf die Frau (sie, ihre Wiedererweckung) beziehen. Im Deutschen muss man sich leider für das eine oder das andere entscheiden.
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In dt. Wikipedia. |
Ausführlicher Lexikonartikel über diese Stadt in Burgund. |
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In dt. Wikipedia. |
Ausführlicher Lexikonartikel über das ehemalige Krankenhaus von Beaune. |
Hans-Rudolf Hower 2003
Letzte Aktualisierung: 11.07.10