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Inschriften in Budapest

Anonymus notarius

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Das folgende, von Miklós Ligeti (1871 - 1944) im Jahre 1903 geschaffene Denkmal steht auf einer Insel des Budapester Stadtwaldteichs (Városliget tó) bei dem pseudomittelalterlich-romantischen Schloss Vajdahunyad. Dieses Schloss wurde eigens für die 1896 in Budapest stattfindende Weltausstellung gebaut und sollte alle in Ungarn heimischen Baustile in sich vereinen. Heute dient es als Landwirtschaftsmuseum (Mezőgazdasági Múzeum).

Foto: Gesamtansicht des Anonymus

Gesamtansicht des Anonymus

Klicken Sie bei Bedarf auf die Fotos, um sie größer zu sehen.

Fotos: Hans-Rudolf Hower 2003 (Gesamtansicht), 2008 (sonstige)

Foto: Gesicht des Anonymus

Gesicht des Anonymus

Foto: Feder des Anonymus

Feder des Anonymus

Foto: Chronik Seite 1

Chronik des Anonymus (Seite 1)

Foto: Chronik Seite 2

Chronik des Anonymus (Seite 2)

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Sockelinschrift

Originaltext (auf Lateinisch)

Anonymus = gloriosissimi Belae regis notarius

Übersetzung

Anonymus = der Geschichtsschreiber des höchst glorreichen Königs Béla

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Kommentar

Miklós Ligeti ist einer der wichtigsten ungarischen Bildhauer des 19. und 20. Jahrhunderts. Umso unverständlicher ist es, dass Wikipedia (siehe unten) außer auf Ungarisch in den meisten europäischen Sprachen keinen Artikel über ihn bereitstellt.

Die Originalität dieses seines Denkmals liegt darin, dass es einen Mann ehrt, den keiner kennt. Die Inschrift erweckt zwar mit dem in ihr enthaltenen Gleichheitszeichen den Eindruck, dass der hier geehrte Geschichtsschreiber den Namen Anonymus getragen hatte. Aber Anonymus bedeutet lediglich „anonym“, „ohne Namensnennung“, in diesem Fall auch „unbekannt“. Eigentlich müsste man in der Inschrift also das Gleichheitszeichen weglassen und das Ganze mit „Der anonyme Schreiber des höchst glorreichen Königs Béla“ übersetzen. Das wallende Gewand und die tief ins Gesicht gezogene Kapuze verdecken für den „normalen“ Betrachter nicht umsonst alles, was eine persönliche Identität ergeben könnte: Keiner kennt die Identität dieses Schreibers; keiner weiß, wie er ausgesehen hat. Dennoch deckt diese Anonymität einen bestimmten, wenn auch unbekannten Menschen (von dem man immerhin weiß, dass sein Name mit „P“ anfing). Dieser Tatsache trug Ligeti Rechnung, indem er - wie unser indiskreter Blick mit der Kamera zeigt - ein voll ausgeformtes menschliches Antlitz unter die Kaputze steckte.

Dieses Denkmal ehrt den unbekannten Verfasser der Gesta Hungarorum (Die Großtaten der Ungarn), einer wichtigen mittelalterlichen Darstellung der ungarischen Geschichte von deren Ansiedelung im Donau-Theiß-Becken bis zur Krönung Stephans I. (Szent István, hl. Stephan). Die Gesta sind in lateinischer Sprache geschrieben, wie obige Fotos zeigen. Sie vermischen - nach jetzigem Wissen - historische Ereignisse und Personen oft mit frei erfundenen und märchenhaften.

Es hat mehrere ungarische Könige gegeben, die Béla hießen. Hier ist lt. dtv-Lexikon Béla II. gemeint (Regierungszeit 1131-41). Das ist jedoch umstritten, da die Lebenszeit des Anonymus nicht sicher belegt ist. Die deutsche Wikipedia (siehe unten) hält auch Béla III. für möglich.

Der Versuch, einem Mann ein bildliches Denkmal zu setzen, ohne seine Identität zu kennen, ist gewagt, zumindest erstaunlich. Die Motivation dazu liegt in der großen Bedeutung, welche die Ungarn dem historiografischen Werk dieses Mannes beimessen.

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Literatur

Autor / Titel

Anmerkungen

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dtv-Lexikon

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Gesta Hungarorum

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Internet

Adresse / Eigner

Anmerkungen

Anonymus (Chronist)

In dt. Wikipedia.

Ausführlicher Artikel über das hier beschriebene Werk von Miklós Ligeti.

Gesta Hungarorum

In dt. Wikipedia.

Kürzerer Artikel über die beiden lateinischen Geschichtswerke dieses Namens (von Anonymus und von Simon Kézai).

Ligeti Miklós

In ungar. Wikipedia.

Ausführlicher Artikel über den Bildhauer Miklós Ligeti (in ungarischer Sprache).

Stand heute (26.05.08) gibt es leider keinen deutschen (und auch keinen englischen, französischen, italienischen, niederländischen, rumänischen, schwedischen oder spanischen) Wikipedia-Artikel über Miklós Ligeti.

Stadtwäldchen

In dt. Wikipedia.

Ausführlicher Artikel über das Budapester Stadtwäldchen.

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Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Zur Anreise nach Budapest siehe Inschriften in Budapest.

Zum Schloss Vajdahunyad kommt man am besten mit der Millenniumslinie der U-Bahn (metró). Man steigt am Heldenplatz aus (Station Hösök tere), geht über den Platz Richtung Kós Károly sétány. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man überquert auf dieser Straße den Parkteich und hält sich dann rechts, um über eine weitere Brücke zum Schloss zu gelangen, oder man geht gleich rechts um den Teich herum, um das Schloss dann über eine Brücke nach links zu betreten.

Angaben zur Anreise entsprechen unseren persönlichen Kenntnissen oder sogar Erfahrungen, aber wir können keinerlei Verantwortung für ihre Richtigkeit übernehmen. Wenn Sie diese Seite lesen, können sich in der Wirklichkeit Veränderungen ergeben haben.

Hans-Rudolf Hower 2003

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Häufige Fragen - Webmaster

Letzte Aktualisierung: 17.10.11