Pfeil: Sprung zur allgemeinen Startseite Pfeil: Sprung zu den ungarischen Seiten Pfeil: Sprung zur nächsthöheren Ebene

Bild: Sonderaktion ein/aus

Web verbalissimo 

Inschriften in Esztergom

Dunkles Tor

Wer sind wir? Kontakte Zusammenarbeit Lageplan
Inschriften in Esztergom < Inschriften in Ungarn < Inschriften < Themenkreise < Willkommen

Auf dem Burgbergs von Esztergom (Gran), auf dem auch die riesige Basilika steht, trifft man auch auf eine 80 m lange, tunnelartige Durchfahrt, die Sötétkapu (Dunkles Tor) genannt wird und mehrere Inschriften trägt.

Foto Esztergom: Inschrift über dem Dunklen Tor

Inschrift über dem Dunklen Tor

Foto Esztergom: Blick durch das Dunkle Tor

Blick durch das Dunkle Tor

Foto Esztergom: Gedenktafel am Dunklen Tor

Gedenktafel für die Opfer des Volksaufstands

Foto Esztergom: Katholische Universität

Durchblick zur Katholischen Universität

Klicken Sie bei Bedarf auf die Fotos, um sie größer zu sehen.

Fotos: Hans-Rudolf Hower 2008

Anreise

Internet

Literatur

Foto Esztergom: Inschrift an Katholischer Universität

Inschrift an der Katholischen Universität

Pfeil: zum Seitenanfang

Inschrift über dem Dunklen Tor

Originaltext (in lateinischer Sprache)

PRINCEPS PRIMAS ALEXANDER A RUDNA
MDCCCXXIV

Übersetzung

Fürstbischof Alexander von Rudna
1824

Pfeil: zum Seitenanfang

Kommentar

Alexander Rudnay (1760 - 1831) war slowakischer Kardinal und Erzbischof von Gran (Esztergom). Durch Letzteres war er auch Fürstprimas (princeps primas) von Ungarn. Er verlegte den Sitz des Erzbistums (wieder) nach Gran, baute die Kathedrale und den erzbischöflichen Palast, wozu auch das Dunkle Tor gehört. Weniger Erfolg hatte er mit seinen Bestrebungen, die Kirchenreformen Kaiser Josephs II. wieder rückgängig zu machen. Als geborener und überzeugter Slowake tat er viel für die Entstehhung einer slowakischen Nation und einer slowakischen Nationalsprache.

Zur geografischen Orientierung: Die slowakisch-ungarische Grenze verläuft heute bei Esztergom in der Donau. Diese fließt unmittelbar unterhalb des Hügels vorbei, auf dem die Basilika, die Katholische Universität und das Dunkle Tor stehen. Von der Terrasse der Basilika kann man über die Donau weit in die Slowakei hineinschauen.

Pfeil: zum Seitenanfang

Gedenktafel für die Opfer des Volksaufstands

Originaltext (auf Ungarisch)

Az 1956-os forradalom
esztergomi mártírjai emlékére

Állították
Esztergom város polgárai

Übersetzung

Zur Erinnerung an die
Eszergomer Opfer der 1956er Revolution

Angebracht von
(den) Bürgern der Stadt Esztergom

Pfeil: zum Seitenanfang

Kommentar

Die Gedenktafel trägt kein Anbringungsdatum, aber es ist klar, dass eine solche Tafel vor 1989, dem Fall des Eisernen Vorhangs und des sowjetischen Machtblocks, nicht möglich gewesen wäre. Heute findet man an vielen Orten in Ungarn Gedenktafeln für die Opfer der gewaltsamen Unterdrückung dieses Aufstandes.

Sprachliche Hinweise

Ein kleiner sprachlicher Seitenhieb verbirgt sich in dem Wort forradalom, mit dem der 1956er Volksaufstand gegen die russische Besatzung hier bezeichnet wird. Nicht mit felkelés (Aufstand) oder sonst einem die Sache herunterspielenden Ausdruck, sondern eben mit forradalom (Revolution), genau wie októberi forradalom (Oktoberrevolution). In dem von der ungarischen Wikipedia dem Begriff Forradalom gewidmeten Artikel gelten übrigens auch alle übrigen Aufstände gegen die Sowjetmacht als echte Revolutionen. Unter Forradalmak totalitárius kommunista diktatúrák ellen (Revolutionen gegen totalitäre kommunistische Diktaturen) werden dort aufgezählt:

Magyarország (1956)

[= Ungarn]

Csehszlovákia (1968)

[= Tschechoslowakei]

Lengyelország (1981)

[= Polen]

Észtország (1988)

[= Estland]

Románia (1989)

[= Rumänien]

Die Anbringung einer solchen Gedenktafel ist natürlich in allen Ländern der Welt normalerweise eine hochoffizielle Angelegenheit der amtlichen Vertreter aller Bürger, so dass die Übersetzung „Angebracht von den Bürgern der Stadt Esztergom“ wohl gerechtfertigt wäre. Ich habe dennoch „den“ in Klammern gesetzt, um darauf hinzuweisen, dass die Angabe „Angebracht von Bürgern der Stadt Esztergom“ (also sozusagen als Privatinitiative einiger Weniger) im Ungarischen genau gleich lauten könnte.

Für Ungarisch-Fans:

  • Der Ausdruck „Az 1956-os forradalom esztergomi mártírjai emlékére“ enthält eine Kaskade von zwei Possessivkonstruktionen. Nach der reinen ungarischen Grammatiklehre müsste es daher vorzugsweise heißen: „Az 1956-os forradalom esztergomi mártírjainak az emlékére“. Aber gerade auf Inschriften (wie hier) verzichtet man aus Platz- und Schönheitsgründen oft auf diese schwerfälligere Konstruktion.
  • Natürlich ist die Urheberangabe im Ungarischen aktivisch mit der 2. Konjugation und implizitem bestimmtem Akkusativobjekt ausgedrückt, denn mit dem Passiv hat es diese Sprache ja nicht so; im Deutschen kann man dagegen nur mit einer passivischen Wendung die gleiche Kürze und Eleganz erreichen. Der Sinn bleibt in beiden Fällen der gleiche.
  • Pfeil: zum Seitenanfang

    Inschrift an der Katholischen Universität

    Originaltext (in lateinischer Sprache)

    Pietati et scientiis

    Übersetzung

    Der Frömmigkeit und der Wissenschaft

    Pfeil: zum Seitenanfang

    Kommentar

    Solche lateinischen Widmungen im Dativ (Wem-Fall) kommen bei besonders feierlich oder gelehrt gemeinten Inschriften auch heute noch vor, mit Vorliebe (aber nicht ausschließlich) im universitären Bereich. Man könnte das auch mit „Für Frömmigkeit und der Wissenschaft“ oder „Frömmigkeit und Wissenschaft gewidmet“ übersetzen.

    Das hier angesprochene Miteinander von Frömmigkeit und Wissenschaft ist ein schönes und für das 19. Jahrhundert zeitgemäßes Motto für eine katholische Universität. Doch hat die Geschichte immer wieder gezeigt, dass es zwischen Glaube und Wissenschaft auch Unvereinbarkeiten gibt, die einerseits in der Sache liegen und andererseits durch damit verbundene, sehr irdische Machtansprüche hochgespielt werden können.

    Eine Religion, die einen rein jenseitigen Gott anbetet, hat mit der Wissenschaft kein Problem, denn es gibt keine wirklichen Berührungspunkte. Das Christentum behauptet jedoch, dass sein Gott in die diesseitige Welt eingegriffen hat, ja (in Gestalt Jesu) auf diese Erde gekommen ist und immer wieder ins Leben der Menschen eingreift. Damit begibt es sich auf wissenschaftlich untersuchbares Gebiet und muss sich manche unangenehmen Fragen stellen lassen.

    Im 19. Jahrhundert - aus dem unsere Inschrift stammt - hatte sich in der römisch-katholischen Kirche allmählich eine Strömung entwickelt, die glaubte, mit wissenschaftlichen Untersuchungen die Grundlagen des christlichen Glaubens stärken zu können. Man ermutigte daher die Theologen zu solcher wissenschaftlichen Betätigung (deren populärwissenschaftlicher Nachklang dann Bücher wie Die Bibel hat doch recht wurden). Wie sich aber spätestens bei dem ungeliebten Ernest Renan (Mehr...) herausstellte, führte die Wissenschaft (Archäologie, Historiografie, Linguistik, Textkritik und andere) zu einer immer stärkeren Entmythologisierung der christlichen Theologie. Man musste feststellen, dass selbst fundamentale Texte der Bibel einer wissenschaftlichen Kritik nicht standhielten. Noch vor dem Ersten Weltkrieg zog der Vatikan die Notbremse. Vor allem die Lebenszeit Jesu und die ersten Jahrzehnte danach sollten nicht mehr Gegenstand objektiver Forschung sein. (Das erklärt wohl auch den Eiertanz, den der Vatikan mit den Qumran-Rollen gemacht hat, deren Übersetzung und Veröffentlichung er mehrere Jahrzehnte lang verhinderte. Ohne Erfolg und unnötigerweise, denn der Inhalt der Rollen war lange nicht so brisant wie befürchtet.)

    Pfeil: Sprung zum Seitenanfang

    Literatur

    Mit Hilfe der folgenden Links können Sie nachschauen, was amazon.de/at zu den betreffenden Begriffen anbietet. Bei dem Online-Buchhändler angekommen, können Sie über dessen Suchfunktion nach beliebigen anderen Begriffen, Titeln, Autoren oder auch ISBN-Nummern suchen. Ein Kaufzwang besteht zu keiner Zeit.

    Begriff

    Alexander Rudnay

    Comecon

    Eiserner Vorhang

    Esztergom

    Kommunismus

    Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe

    Sowjetunion

    Ungarischer Volksaufstand

    Ungarn

    Warschauer Pakt

    Pfeil: Sprung zum Seitenanfang

    Internet

    Beachten Sie bitte unsere rechtlichen Vorbehalte für alle Internet-Verweise.

    Adresse / Eigner

    Inhalt / Themen

    Alexander Rudnay

    In dt. Wikipedia.

    Längerer Lexikonartikel über Leben und Werk des slowakischen Kardinals und Erzbischofs von Esztergom Alexander Rudnay.

    Bolsevik hatalomátvétel Szentpétervárott

    In ungar. Wikipedia.

    Längerer Lexikonartikel (in ungarischer Sprache) zur Oktoberrevolution.

    Forradalom

    In ungar. Wikipedia.

    Längerer Lexikonartikel (in ungarischer Sprache) zum Begriff Forradalom (Revolution).

    Joseph II. (HRR)

    In dt. Wikipedia

    Längerer Lexikonartikel über den österreichischen Reformkaiser Joseph II.

    Pfeil: zum Seitenanfang

    Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

    Zur Anreise nach Kecskemét siehe Inschriften in Esztergom.

    Wenn man vom Stadtzentrum von Esztergom (Gran) auf der Straße zur Burg und Basilika hochgeht, kommt man oben an einen Parkplatz, vor dem das Dunkle Tor sich links öffnet.

    Angaben zur Anreise entsprechen unseren persönlichen Kenntnissen oder sogar Erfahrungen, aber wir können keinerlei Verantwortung für ihre Richtigkeit übernehmen. Wenn Sie diese Seite lesen, können sich in der Wirklichkeit Veränderungen ergeben haben.

    Hans-Rudolf Hower 2008

    Pfeil: Sprung zum Seitenanfang

    Pfeil: Sprung zum Seitenanfang

    Häufige Fragen - Webmaster

    Letzte Aktualisierung: 20.07.10