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Diese Seite stellt solche von meinen Büchern vor, die Berichte oder Reportagen enthalten. Da die Übergänge fließend sind, können sich ähnliche Bücher aber auch unter (Auto-)Biografien & Erinnerungen finden.

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Atomkraft

Tschernobyl, eine Chronik der Zukunft von Swetlana Alexijewitsch

Bericht, gelesen auf Deutsch.

Auch wer schon viel über Tschernobyl und die Folgen gelesen hat, wird von diesem einfühlsamen Bericht betroffen gemacht, der aus unzähligen Begegnungen mit den Opfern der Katastrophe entstanden ist.

Zu leicht vergessen wir, dass das Leiden dieser Menschen, soweit sie nicht bereits gestorben sind, noch lange nicht vorbei ist. Die offiziellen Opferzahlen hinken weit abgeschlagen hinter der Wirklichkeit her. Auch heute quält und tötet Tschernobyl noch massenweise, und riesige Gebiete bleiben weiterhin unbewohnbar! Das von dem atomaren Unfall hervorgerufene menschliche Leid ist daher, vor allem in der ukrainischen und der weißrussischen Bevölkerung, weiterhin unermesslich, und ein Ende ist auch für folgende Generationen nicht abzusehen. Zu hoch ist die Zahl der Missgeburten sowie der Krebs- und Leukämiefälle im frühen Kindesalter.

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Swetlana Alexijewitsch, Tschernobyl, eine Chronik der Zukunft

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Erinnerung

Die Zukunft der Erinnerung von Günter Grass, Czesław Miłosz, Wisława Szymborska und Tomas Venclova, hrsg. v. Martin Wälde

Bericht von einem Treffen der vier Schriftsteller im Jahr 2000 in Vilnius (Wilna), gelesen auf Deutsch.

Nach einer Einführung des Herausgebers trägt jeder der vier Schriftsteller (darunter drei Nobelpreisträger für Literatur) seine Gedanken zum Problem der geschichtlichen Erinnerung vor, die drei Männer in Form einer kurzen Prosa-Abhandlung, Szymborska in Gedichtform.

Das Leben eines jeden der vier ist auf seine Weise mit Erinnern und Vergessen konfrontiert: Grass als heimatvertriebener Deutscher aus Danzig, Miłosz als lange Zeit exilierter Pole aus Litauen, Venclova als lange Zeit exilierter Litauer aus Vilnius und Szymborska als Mitglied eines gewaltsam von Osten nach Westen verschobenen Volkes und Einwohnerin der nicht immer polnisch gewesenen Stadt Krakau.

Die Texte zeigen die Komplexität der Erinnerungsproblematik: das Heimweh der im Exil Lebenden, die oft vergebliche Suche nach Erinnerung in der endlich wieder erreichbaren alten Heimat, die Schwierigkeit des Wurzelschlagens in der neuen Heimat, das Problem der unterbrochenen geschichtlichen Kontinuität und der Annahme des Erbes der ihrerseits vertriebenen Vor-Bevölkerung, die Brisanz der Verschiebung der ethnischen Gleichgewichte durch Vertreibung und Mord, die Geschichtsklitterungen der Nationalisten jeder Machart.

Die Stadt Vilnius, die in ihrer Geschichte wider Willen immer wieder den Besitzer und den Namen gewechselt hat, bot den angemessenen Rahmen für dieses Schriftstellertreffen. Bis zur großen Katastrophe des 20. Jahrhunderts eine Vielvölkerstadt mit jüdischer und polnischer Mehrheit, erlebt Vilnius heute mit dezimierter Bevölkerung, aber litauischer Mehrheit alle Probleme des Erinnerns und Vergessens sozusagen am eigenen Leib.

Die Beiträge nur einen kurzen, allerdings guten Einstieg in das Thema geben, ersetzen aber natürlich nicht eine weitergehende Auseinandersetzung mit dem Erinnern und dem Vergessen, die beide notwendig, gefährdet und manchmal gefährlich sind.

[hrh November 2006]

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Martin Wälde (Hg.), Günter Grass, Czesław Miłosz, Wisława Szymborska und Tomas Venclova, Die Zukunft der Erinnerung

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Frankreich

Zwischen Boule und Bettenmachen von Christiane Dreher

In diesem Buch trägt die deutsche Autorin, die seit einigen Jahren in Südfrankreich - im Bergland hinter Nizza - lebt und mit einem Franzosen verheiratet ist, in angenehm launischer Schreibe ihre persönlichen Erfahrungen mit Land und Leuten vor - mit Ausblicken auf das von ihr bereiste französischsprachige Afrika und Blick zurück (ohne Zorn) auf ihre ursprüngliche Heimat Deutschland.

Auf etwa 1.300 Metern Höhe lebte die Autorin zunächst drei Jahre auf einem Bio-Bauernhof (was in Frankreich etwas zu sagen hat!) und unterhält nun mit ihrem Mann Patrick dort in der Nähe eine Auberge, in der nicht nur viele Franzosen (oft „Zweitwohnungsdörfler“ von der Küste), sondern auch Ausländer, darunter deutsche Touristen gerne absteigen. Ständig war und ist sie mit den unterschiedlichen Denk- und Lebensgewohnheiten ihrer alten und neuen Landsleute konfrontiert und lässt die LeserInnen an ihren inzwischen sehr reichen Erfahrungen teilhaben. Da erfährt man z.B. endlich, was man schon immer über die französische Begrüßungs- und Abschiedsküsserei, über Bio in Frankreich, über die dortigen Alltags- und Feiergewohnheiten, über den réveillon de Noël und die galette des Rois sowie vieles andere mehr erfahren wollte. Man lernt überhaupt viel über die unterschiedlichen Lebenseinstellungen und praktischen Dinge des Lebens, die den Franzosen und - als Gegenbild - den Deutschen (fast) heilig sind.

Fazit: Als ständiger Wanderer zwischen der französischen und der deutschen Welt (und als Deutscher, der seit über 40 Jahren mit einer Französin aus Nizza verheiratet ist und auch Verwandte im bergigen Hinterland von Nizza hat) kann ich Christiane Drehers Beobachtungen nur bestätigen. Dieses Buch sollte man als Pflichtlektüre für alle Frankreich-Reisenden einführen. Es ist höchst informativ und dabei so kurzweilig, dass man es mit Vergnügen (immer wieder) liest.

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Christiane Dreher, Zwischen Boule und Bettenmachen

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PS: Das Buch ist aus den Inhalten von Christiane Drehers Blog French Connection entstanden. Wie es in der Natur der Dinge ist, gibt das Buch einen festgeschriebenen Stand wieder, während sich der Blog weiterentwickelt. Sie haben die Wahl!

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Polen

Die Nacht von Wildenhagen: Zwölf deutsch-polnische Schicksale von Włodzimierz Nowak

Reportagensammlung. Originaltitel: Obwód głowy (Kopfumfang).

In diesem Buch sind zwölf Reportagen zusammengefasst, die sich um alte und neue Erlebnisse in den ehemals deutschen Gebieten jenseits von Oder und Neiße abgespielt haben. Der Bogen wird gespannt vom Aufstand des Warschauer Ghettos über die für viele Menschen grausame Begegnung mit der Roten Armee, den Grenzalltag zu DDR-Zeiten und danach bis zu den neuesten Formen der grenzübergreifenden Zusammenarbeit, z.B. in der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder, und den aktuellen Globalisierungsproblemen (Opel Bochum gegen Opel Gliwice).

Włodzimierz Nowak fuhr als Reporter der Gazeta Wyborcza immer wieder in die ehemals deutschen Grenzgebiete, stets auf der Suche nach Zeit- und Ortszeugen. Seine Interviews sind packend und erhellend und respektieren immer die Persönlichkeit des Interviewpartners, was - soweit man das anhand der Übersetzung sehen kann - bis zur individuellen Anpassung des Erzählstils geht.

Titel: Der deutsche Titel kommt von einem der zwölf Berichte des Buches, nämlich dem packenden Bericht von der „Nacht von Wildenhagen“, die wegen der Ankunft der Roten Armee in Morden, Vergewaltigungen und Selbstmorden endete. Der polnische Originaltitel kommt ebenfalls von einem der Berichte, nämlich dem, der von kopfumfangsbedingten Familien- und Kinderschicksalen handelt; die Nazis sortierten nämlich durch Messen des Kopfumfangs die rassische Erhaltungswürdigkeit von Individuen und ganzen Familien.

Fazit: Unbedingt lesenswert zum Verständnis der jüngeren Geschichte Deutschlands und Polens. Für deutsche Leser besonders interessant wegen des sowohl polnischen als auch deutschen Blicks auf die Ereignisse. Einige Berichte erzählen zwar von DDR-Zeiten, aber die sind immer noch nicht so weit verflossen, als dass sie uns nichts mehr angingen. Die Gegenwart ist nur eine Weiterschreibung der Vergangenheit!

[hrh 05.05.10]

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Włodzimierz Nowak, Die Nacht von Wildenhagen: Zwölf deutsch-polnische Schicksale

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Russland

Rußland wird nicht untergehen... von Gabriele Krone-Schmalz

Dies ist eines der eher wenigen Bücher, die nach dem Zerfall der Sowjetunion mitten in einem von Katastrophenberichten gesättigten Umfeld versuchte, die positiven Impulse und Initiativen aufzuzeigen, auf deren Grundlage Russland sich weiterentwickeln kann.

Die Autorin war vier Jahre land ARD-Korrespondentin in Moskau und kennt das Land “von innen”. Sie kennt auch die immensen Probleme, mit denen sich Russland herumschlägt, aber sie zeigt auch, dass Erfolge nicht ausbleiben.

Ich habe das Buch genossen, denn man kann nicht immer nur von negativen Schlagzeilen leben. Wenn es unserem Nachbarn besser geht, geht es uns auch besser.

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Gabriele Krone-Schmalz, Rußland wird nicht untergehen...

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Sprachinseln

Die sterbenden Europäer von Karl-Markus Gauß

Gelesen auf Deutsch. Karl-Markus Gauß hat fünf europäische Sprachinseln besucht, die akut vom Untergang bedroht sind. Sein in dem Buch vorliegender Bericht ist das Ergebnis vielseitiger Kontakte mit den betroffenen Bevölkerungen. Folgende Sprachinseln werden im Buch mit ihrer Geschichte, ihrer aktuellen Situation und ihren Zukunftsaussichten vorgestellt:

  • die Ladino sprechenden sephardischen Juden von Sarajewo
  • die deutschsprachige Bevölkerung der Gottschee (heute in Slowenien)
  • die Albaner in Kalabrien (Italien)
  • die Sorben in Deutschland (Brandenburg und Sachsen)
  • die Aromunen in der ex-jugoslawischen Republik Mazedonien
  • Den untersuchten Sprachinseln ist gemeinsam, dass sie durch ihr übermächtiges anderssprachiges Umfeld einem enormen Assimilationsdruck ausgesetzt sind und wegen stetiger Abnahme der muttersprachlichen Bevölkerung immer weitere Sprachgebiete verlieren. Doch ergeben sich aus der Geschichte und der aktuellen Situation bedeutende Unterschiede, die Karl-Markus Gauß herausarbeitet und in eine gut lesbare Form gießt.

    Zu den Sorben siehe auch die Verbalissimo-Seiten Sorbische Sprache und Sorbisch-deutsche Zweisprachigkeit.

    [hrh 09.01.12]

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    Karl-Markus Gauß, Die sterbenden Europäer

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    Terrorismus

    11.9. von Mathias Bröckers

    Gelesen auf Deutsch. Ursprünglich als eher theoretische Abhandlung über Verschwörungstheorien mit einigen historischen Beispielen von Verschwörungen geplant, wurde das Buch dann unter dem Druck der Ereignisse zum Bericht über den 11.9.01 und eine Auseinandersetzung mit den zu Tage tretenden Ungereimtheiten umfunktioniert.

    Das Buch von Mathias Bröckers hat das Verdienst, aus den öffentlich (v.a. im Internet) zugänglichen Daten (einige wichtige, z.B. die Flugschreiberdaten und die Fotos vom auf das Pentagon gestürzten Flugzeug, werden ja geheim gehalten) ein zusammenhängendes Bild der Geschehnisse zu erarbeiten. Dabei stößt der Autor auf erstaunliche Fakten, große Lücken und viele Ungereimtheiten in der offiziellen Lesart der Dinge.

    Und dann ist da immer wieder die klassische kriminalistische Frage, die meist in die Nähe des wirklichen Täters führt: Cui bono? (Wem hat das Verbrechen genutzt?) Auch hierfür gibt das Buch plausible, schmerzhafte Antworten. Viel Öl, Drogen, Geld und Machtfantasien sind da im Spiel. Der Verdacht drängt sich auf, dass da ein makabres „Bauernopfer“ für massive finanzielle Interessen gebracht wurde...

    Aber lesen Sie selbst und machen Sie sich ein eigenes Bild von den Geschehnissen, den offenen Fragen und den offenen Geheimnissen!

    Um einem Missverständnis vorzubeugen: Dies ist kein „antiamerikanisches“ Buch. Es kritisiert zwar das ganz offensichtlich zum Himmel schreiende Verhalten der amerikanischen Regierung, ihrer Geheimdienste und des größten Teils der Presse, zeigt aber auch, dass es in den USA andere Personen und sogar Dienste gab, z.B. das FBI und John O’Neill, seinen beim Anschlag auf das World Trade Center umgekommenen „beste(n) Terroristenjäger der USA“ (New York Post, zitiert nach Bröckers S. 175), die die wirklichen Terroristen jagen wollten, - aber am massiven Widerstand der eigenen Regierung und ihrer Geheimdienste scheiterten...

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    Mathias Bröckers, 11.9.
    I = Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9. (2002)
    II = Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9., inkl. VCD (2003)
    III = 11.9. - zehn Jahre danach: Der Einsturz eines Lügengebäudes (2011)

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    Ungarn

    Die Paprikantin von Lysann Heller

    Untertitel: Ungarn für Anfänger. Gelesen auf Deutsch.

    Als die damals 26-jährige Autorin sich darauf einließ, unmittelbar nach dem Studium eine Praktikantenstelle bei der deutschsprachigen Budapester Zeitung anzunehmen, war sie sich nicht der Schwierigkeiten bewusst, die auf sie zukommen sollten. Mehrfach war sie vor der Fremdheit der ungarischen Sprache gewarnt worden, aber mit jugendlicher Sorglosigkeit hatte sie alle Einwände überspielt. Und da war sie dann auf einmal, allein in Budapest und einem Land, dessen Sprache sie nicht verstand. Und neben der Sprache waren da auch noch die Ungarn. Die sie genauso wenig verstand. Und die Schatten der Geschichte. Holokaust. Trianon. Gebietsverluste. Und die Zigeunerfrage. Und die heutigen Juden. Und die Geschlechterfrage. Stb. (s a többi / und so weiter).

    Aber sie biss sich durch, eroberte ihren Platz, lernte, lernte und lernte und krönte dann ihren Aufenthalt mit dem hier vorgestellten humorvoll-spritzigen Bericht, der allen deutschsprachigen Ungarnfahrern eine äußerst nützliche Einführung in das fremde Land, seine Bräuche, seine Menschen und seine Sprache bietet.

    Man kann das Buch auch ohne Ungarischkenntnisse lesen, aber besonders genüsslich wird's natürlich für jemanden, der schon einige Kenntnisse hat, die er mit den von Lysann Heller angebotenen, aber gewöhnlich im Ungarischkurs übergangenen Wendungen der Alltagssprache, des Jugendjargons und der Flucherei bereichern kann.

    Fazit: Wer tiefer ins ungarische Leben vor allem der jüngeren Generation eintauchen will, sollte das Buch unbedingt lesen. Wer einfach unterhalten werden will, übrigens auch. Mir hat's sehr gefallen, und gelernt habe ich trotz meines Rentneralters und einer allmählich lieber zu verschweigenden Anzahl absolvierter Ungarischsemester auch noch so manches.

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    Lysann Heller, Die Paprikantin

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    Bild: Hundi lebt

    Hans-Rudolf Hower 2002

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    Häufige Fragen - Webmaster

    Letzte Aktualisierung: 09.01.12